BERLINER MORGENPOST

Sonnabend, 06. Mai 2000

 

Heino, der Roboter

Schräge Typen, schräge Töne: 
Mit «Charts» nimmt das Comedytrio «Mime Crime» 
Musiker auf die Schippe

Von Katja Henßler

 

Was lässt sich besser parodieren als Menschen, die sich allzu ernst nehmen: Waren es bei früheren Auftritten Golfer, Wintersportler und Schachspieler die veralbert wurden, hat das Berliner Pantomime- und Comedytrio «Mime Crime» mit «Charts» nun den Berufsstand der Musiker für sich entdeckt, denn «Musik ist Trumpf», wie der gleichnamige Schlager zu Beginn der Musikshow verkündet. 
Eine schräge Nummer löst die andere ab. Ein strammer spanischer Tänzer konkurriert mit einem drallen Weib, die einem das Fürchten lehren kann, im Stepptanz. Am Ende sind beide sichtbar erschöpft und wollen ihre Vorstellung beenden. Doch der Gitarrenspieler will partout nicht aufhören zu spielen. HipHopper, Don Kosaken, ein australischer Didgerido-Meister (nackt, aber mit Fliege!) - alle werden sie durch den Kakao gezogen. 
Als Running Gag stolpert Heino über die Bühne. Doch seine Zeit ist abgelaufen: Haselnüsse gibt es von jetzt an zum Sonderpreis, und Heino nicht wirklich: Er ist ein programmierter Roboter. Auch die Kirche bekommt ihr Fett weg: Zwei tiefgebeugte in Mönchskutten gehüllte Gestalten vertiefen sich in mystische Gesänge. Doch auf einmal schaukelt der eine merkwürdig mit seinem Oberkörper hin und her. Als der andere verwundert dessen Kopf entblößt, entpuppt sich ein Walkman als die Ursache. Aber damit noch nicht genug. Ausgerechnet «Highway to Hell» hört der selbsternannte Gottesdiener. 
Ein Musikprofessor wird interviewt und erzählt etwas über pinkes Federvieh, weil er statt Flamenco Flamingo verstanden hat.
Mit jedem Musikgenre verbindet man bestimmte Klischees - hier werden sie alle erfüllt. So ist der HipHopper cool, der Dirigent ernst und gesammelt, und die Don Kosaken geben sich theatralisch. Das ist zwar nicht neu, aber alle Typen sind solide und originell umgesetzt. Wenn etwas scheinbar unvorhergesehen Komisches geschieht, geben die «falschen» Musiker ihre Rolle auf, und ein Slapstick jagt den anderen. Die Pointen sind so herzerfrischend absurd, dass das Comedy-Trio in der ausverkauften, rund zweieinhalbstündigen Premiere die Lacher stets auf seiner Seite hatte.